Wie berechne ich das Bezugsverhältnis von Aktien?

Eine beliebte Art, das Finanzvermögen einer Unternehmung zu erhöhen, ist die Neuausgabe von Aktien. Dies kann indes nicht einfach angeordnet werden: Die bisherigen Aktieninhaber müssen in besonderer Weise berücksichtigt werden.

Der Begriff Aktie im Fokus

Eine Aktie bezeichnet im Grunde einen prozentualen Anteil an einem Unternehmen. Wenn das Unternehmen nun weitere Aktien ausgibt, würde das bedeuten, dass die Inhaber der bisherigen Aktien teilweise enteignet werden.

Damit dies nicht passiert, wird den Altaktionären das Recht eingeräumt, die neuen Aktien zu erwerben. Hierbei gibt es ein Bezugsverhältnis: Wer eine Aktie besitzt, ist nicht automatisch berechtigt, 1.000 neue Aktien zu einem Vorzugspreis zu erwerben.

Es gibt kein gesetzlich verankerten Anspruch eines Aktionärs auf den Erwerb neuer Aktien: Letzten Endes obliegt es dem Emittenden, also der Firma, zu entscheiden, ob und in welchem Umfang die Altaktionäre das Vorkaufsrecht eingeräumt bekommen. Allerdings liegt es im Wesen einer Aktiengesellschaft, dass die Entscheidungen diesbezüglich meist zu Gunsten der Aktionäre ausfallen
– Demokratie auf dem Parkett.

Die Frage: „Wie berechne ich das Bezugsverhältnis von Aktien?“ ist meist mathematisch leicht nachvollziehbar.

Theorie nicht gleich Praxis

Im deutschen Recht und der deutschen Praxis ist die Sachlage einfach: Wenn ein Unternehmen für EUR 100 Mio neue Aktien ausgibt und der Umlaufwert der bisherigen Aktien EUR 500 Mio beträgt, erhält der Inhaber von fünf Aktien das Recht, in Aktien investieren zu dürfen. Er oder sie darf also im Rahmen der Kapitalerhöhung und damit der Wertsteigerung des Unternehmens rechnerisch exakt teilhaben.

Im angelsächsischen Wirtschaftsraum gibt es eine 6-5 Formel (auch: 6 to 5). In diesem Raum werden Kapitalerhöhungen in der Regel auch in diesem Verhältnis vollzogen, so dass die Berechnung des Bezugsverhältnisses auch hier mathematischer Gleichmäßigkeit unterliegt. Da die Maßzahlen meist nicht sehr genau auf eine Stelle aufgehen, ist natürlich die Frage offen, ob es möglich ist, etwa 3,4 Aktien einzukaufen oder 2,7.

Dies ist bei den meisten Kapitalgesellschaften nicht möglich und es wird entsprechend gerundet. Allerdings ist dies in der Regel abhängig von einer Zustimmung der Altaktionäre vor der Neuemission auf einer Aktionärsversammlung: Wer Aktien besitzt, kann also mitbestimmen.

Interessant für die Altaktionäre ist die Tatsache, dass eine Kapitalerhöhung und das damit verbundene Berechnungsverhältnis meist nicht aufgeht: Nicht alle Altaktionäre möchten den ihnen zugesicherten Anteil auch tatsächlich erwerben. Damit entsteht ein Überhang an neuen Aktien, die meist unter Wert gehandelt werden, da die Kapitalerhöhung einer Unternehmung meist darauf basiert, dass den bisherigen Anteilseignern weitere Anteile zu einem Vorzugspreis angeboten werden.

Daher bleiben neue Aktien übrig, die nun auf Abnehmer hoffen. Je nach der Entscheidung des Unternehmens gehen diese frischen Aktien nun direkt in den freien Verkauf – oder nicht. In diesem Fall kann man als bisheriger Kleinaktionär auch zu einem Großaktionär werden, dabei aber seine zusätzlichen Unternehmensanteile zu einem extrem günstigen Preis erworben haben.

Die Neuausgabe von Aktien ist in aller Regel ein recht gutes Geschäft für jene, die bereits Aktien halten. Voraussetzung ist nur, dass das Unternehmen lukrative Geschäfte macht. Das Bezugsverhältnis ist fair und transparent, so dass keine bösen Überraschungen zu erwarten sind, sofern man in der westlichen Welt investiert.